Artikel: Kultur-Hopping in Neustrelitz
Kunst und Kultur in der Mecklenburgischen Seenplatte: Dieser Stadtspaziergang führt zu den schönsten Kulturorten der Residenzstadt Neustrelitz. Nach der Ankunft im RE5 führt der Weg vom Bahnhof über die schnurgeraden, strahlenförmig angelegten Straßen auf den Neustrelitzer Marktplatz mit der imposanten Stadtkirche zu. Biegt man in die Schlosstrasse ab, ist bald das Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz erreicht.
Das Gebäudeensemble besteht aus dem ehemaligen Kaiserlichen Postamt, der alten Herzoglichen Münzprägestätte und modernen Elementen. Heute beherbergt das Kulturquartier das kulturhistorische Museum, die Stadtbibliothek und regionale Archive. Eine Dauerausstellung führt zurück durch 300 Jahre Geschichte des Landes Mecklenburg-Strelitz und erzählt von der Gründung des Herzogtums im Jahr 1701, der Entstehung der barocken Planstadt Neustrelitz und dem Leben im herzoglichen Schloss. Das Kultur-Café mit Gartenterrasse lockt zu einer Pause, bevor es über die Schlossstraße hinein in den Schlosspark geht.
Das Erbe der Herzöge und Herzoginnen: Schlosspark und Schlosskirche
Die als lebenslustig und tatkräftig geltende Herzogin Dorothea Sophie ließ ihre Vorstellungen einer idealen Stadt mit barocker Gartenanlage und einem – heute nicht mehr vorhandenen – Schloss verwirklichen. Der weitläufige Schlosspark mit Tempeln und Skulpturen, Sichtachsen und Orangerie erinnert an die Zeit ihrer Regentschaft, die 1918 endete. Die Schlosskirche mit ihren schlanken Doppeltürmen und schmuckvollem Innenraum birgt Schätze der Bildhauerei, unter anderem von Schadow, Rauch, Hrdlicka, Barlach und Kollwitz. Bis 4. Oktober kann man durch die Ausstellung „Von Zärtlichkeit bis Anklage“ mit Skulpturen aus dem Lebenswerk von Karl Rätsch schlendern. Der in Lychen lebende, bereits über 90-jährige Bildhauer arbeitet aus Materialien wie Holz, Stein und Bronze menschliche Körperformen heraus, die individuell und ausdrucksstark sind.
Kino, Kunst und Kulinarik: Hafengalerie und Kulturzentrum Alte Kachelofenfabrik
Vom Schlosspark geht es nun Richtung Stadthafen und in die Semmelweißstraße. Ganz in der Nähe des Zierker Sees lässt sich im restaurierten alten Kornspeicher noch mehr Kunst bewundern. Die Hafengalerie Neustrelitz ist ein Ort für zeitgenössische Kunst von regionalen und überregionalen Kreativen und zeigt wechselnde Ausstellungen, ob Malerei, Fotografie oder Skulpturen. So stellt Uwe Rauchmann noch bis zum 4. Oktober seine Fotoausstellung „Unscharfe Bilder – Abstraktes, Malerisches und Cyanotypisches“ vor. Der nahe Stadthafen mit seinen Cafés und Restaurants lädt danach zur nächsten Pause und einem Blick über den See ein.
Über die Semmelweißstraße und die Zierker Straße geht es schließlich in die Alte Kachelofenfabrik am Sandberg, wo seit den 1870er-Jahren bis 1969 Kachelöfen in handwerklicher Feinarbeit gefertigt wurden. Mittlerweile versteht sich das Industriedenkmal als kultureller Treffpunkt für Filmfans, Kunstinteressierte und alle, die gutes Essen zu schätzen wissen. Im liebevoll restaurierten Kinosaal werden anspruchsvolle und individuelle Filme gezeigt, die Galerie präsentiert wechselnde Ausstellungen und die Gastronomie bietet Gutes für den Gaumen aus regionalen und saisonalen Bio-Zutaten. Bis zum 11. Oktober sind in der Galerie Werke zu sehen, die beim internationalen Kunstsymposium „Bun Venit“ 2026 im Austausch von zehn Kunstschaffenden entstanden sind.
Der Weg zum Bahnhof führt noch einmal über den Marktplatz, das charmante Herz der Kulturstadt Neustrelitz.
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