Artikel: Erst die Wildnis, dann der Whisky
Lust auf eine herbstliche Landpartie, die unberührte Wälder mit echtem Genusshandwerk verbindet? In der brandenburgischen Uckermark, vor den Toren Angermündes, lässt sich genau das miteinander verknüpfen. Der idyllische Ortsteil Altkünkendorf bietet einen Ausflug für die Sinne: Hier wandert man durch den geschützten Buchenwald Grumsin – Brandenburgs einziges UNESCO-Weltnaturerbe –, um danach in der urigen Grumsiner Brennerei einen handgemachten Whisky zu verkosten. Erreichbar ist das Ziel mit dem RE3 bis Angermünde und der Weiterfahrt im WeltErbeBus – oder auf einer herbstlichen Wanderung vom Bahnhof entlang des Grumsiner Genusswegs.
Tor zur Natur: Angermünde
Am Bahnhof in Angermünde angekommen lohnt ein Blick auf den historischen Stadtkern: Mit seinen sanierten Fachwerkhäusern und kopfsteingepflasterten Gassen verströmt das über 770 Jahre alte Städtchen die typische Ruhe der Uckermark. Von hier aus entscheidet jeder selbst, wie es weitergeht. Abenteuerlustige wandern direkt am Bahnhof los und folgen dem türkisfarbenen G des 17 Kilometer langen Genusswanderwegs, vorbei an der Mosterei Klimmek und dem Hofcafé von Hemme Milch. Wer abkürzen möchte, steigt am Bahnhofsvorplatz in den WelterbeBus und fährt durch die herbstliche Landschaft bis zum Ziel nach Altkünkendorf.
Weltnaturerbe: der Buchenwald Grumsin
Direkt an das alte Dorf Altkünkendorf grenzt der Buchenwald Grumsin, das Herzstück der Region. Seit 2011 trägt der Wald den Titel des UNESCO-Weltnaturerbes. Das Besondere: Die Natur darf sich seit Jahrzehnten ohne den Einfluss des Menschen entwickeln. Da keine Forstwirtschaft betrieben wird, bleibt Totholz liegen und bietet seltenen Pilzen und Großvögeln wie dem Schreiadler einen Lebensraum. Zwischen eiszeitlichen Hügeln verstecken sich Moore und glasklare Waldseen. Der Genusswanderweg führt direkt am Waldrand entlang und macht diese besondere Wildnis hautnah erlebbar. Im Herbst, wenn die gewaltigen, alten Buchen ein rötlich-goldgelb gefärbtes Blätterdach bilden, ist die Tour besonders reizvoll.
Die Uckermark im Glas: Grumsiner Brennerei
Nur wenige Schritte trennt den uckermärkischen Urwald von der Grumsiner Brennerei. Am Tor des geschichtsträchtigen Backsteinhofs zieht ein Mammut-Logo die Blicke an – eine Hommage an die umliegende, eiszeitlich geprägte Endmoränenlandschaft. In den Räumen duftet es nach Getreide, Hefe und süßlichem Holz. Gegründet wurde die Manufaktur 2014 von Thomas Blätterlein, der den historischen Gutshof des späten 19. Jahrhunderts aus seinem Dornröschenschlaf weckte. „Wir haben hier eine tolle Landschaft und hier wachsen tolle Dinge“, erzählt der Brennmeister. „Unser Ansatz ist, das, was diese Natur hier hergibt, zu veredeln und regional zu arbeiten.“
Wer an einer der Verkostungen teilnimmt – die nächsten finden am 31.10. und 07.11. statt –, erhält spannende Einblicke ins Handwerk und begibt sich auf eine Entdeckungsreise für den Gaumen. Schon beim Riechen am Glas entfalten sich Aromen von reifer Vanille, Honig und Holz. Und man schmeckt die Besonderheit der Zutaten heraus, denn in der Maische landen historische Urgetreidesorten umliegender Bio-Höfe wie der seltene Preußische Weizen und traditioneller märkischer Roggen. „Wir lassen den Stoff lange lagern, prüfen die Reifung gut – mindestens einmal jährlich“, so Blätterlein. „Wenn keine Entwicklung da ist, füllen wir den Stoff in ein anderes Fass, beispielsweise von einem Rumfass zur Weiterreife in ein Sherryfass. Wir möchten komplexe Destillate haben“. Und so zieht der Whisky für mindestens sechs Jahre zum Lagern in den Keller des Getreidespeichers.
An den Wochenenden wird es richtig gemütlich in der Brennerei. Dann öffnet der Hofladen samstags von 13 bis 17 Uhr zum Stöbern am prasselnden Kaminfeuer. Die Auswahl kann sich sehen lassen: Vom fassgereiften Single Malt über Gin und Korn zum Walnuss-Whisky-Likör wartet hier echte uckermärkische Handwerkskunst – abgefüllt als neuer Favorit der eigenen Hausbar oder für die Liebsten zum Fest.
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